Elektrische Störungen richtig einschätzen: Wann Sie sofort anrufen sollten
Ratgeber · aktualisiert 2026-07-31

Elektrische Probleme verunsichern viele Menschen: Ist das wirklich ein Notfall? Lohnt sich der Anruf am Wochenende? Oder kann ich bis Montag warten? Diese Unsicherheit kostet Zeit und führt oft zu übereilten Entscheidungen – oder gefährlicher Unentschlossenheit.
Der pragmatische Ansatz: Einige elektrische Störungen sind echte Sicherheitsrisiken und erfordern sofortige Fachkompetenz. Andere sind unangenehm, aber nicht gefährlich. Wir helfen Ihnen, diese Unterscheidung zu treffen.
Elektrische Notfälle: Rufen Sie sofort an
Es gibt Warnzeichen, bei denen Sie nicht zögern sollten. Diese deuten auf unmittelbare Gefahren hin – Brandrisiken, Stromschlaggefahr oder akute Beschädigungen der Elektroinstallation:
- Brandgeruch oder Rauchentwicklung: Besonders wenn es aus einer Steckdose, vom Verteiler oder einem Gerät kommt. Das deutet auf Überhitzung oder Isolationsschäden hin. Sofort: Bereich meiden, Stromkreis abschalten (wenn sicher erreichbar), bei Rauch oder Flammen zuerst 112 anrufen.
- Sichtbare Funkenbildung: An Steckdosen, Schaltern oder bei Geräten – ein Zeichen für elektrische Fehler, die zu Bränden führen können.
- Heisse oder verschmorte Steckdosen und Anschlüsse: Deutet auf Überbelastung, defekte Kontakte oder Kurzschlüsse hin – nicht anfassen, Gerät nicht verwenden.
- Wasser und Elektrizität zusammen: Nasse Steckdosen, Wasserschäden an der Elektroinstallation oder Feuchte im Verteiler sind Stromschlaggefahr. Bereich sperren, kein Kontakt, sofort anrufen.
- Alle Sicherungen sind ständig rausgeflogen: Wenn der Leitungsschutzschalter wiederholt auslöst (mehrfach pro Stunde oder mehrmals täglich), liegt wahrscheinlich ein Kurzschluss oder Fehlerstrom vor – nicht einfach wieder einschalten.
- Stromschlaggefahr-Anzeichen: Kribbeln beim Anfassen von Metallteilen (Badewanneneinfassung, Heizkörper), Spannungsprüfer zeigt Spannung an unerwarteten Stellen – deutet auf fehlerhafte Erdung hin.
- Kompletter Stromausfall im ganzen Haus: Wenn nicht nur eine Sicherung betroffen ist, sondern alles dunkel ist und der Hauptschalter nicht hilft.
Dringende Probleme: Heute noch, aber nicht lebensbedrohlich
Diese Störungen sollten Sie am selben Tag beheben lassen, sind aber nicht unmittelbar lebensgefährlich:
- Einzelne Stromkreise sind dauerhaft aus: Eine oder mehrere Leitungen funktionieren nicht, die Sicherung bleibt aber in Ruhe. Das bedeutet einen Stromausfall in einem Bereich – unangenehm, aber nicht sofort gefährlich, wenn Sie um die tote Leitung Bescheid wissen.
- Defekte oder lockere Schalter und Steckdosen: Wenn diese nicht reagieren, lose wirken oder beschädigt sind, sollten sie getauscht werden – aber nicht im Notfall-Tempo.
- Flackernde Deckenleuchten oder Lampen: Kann auf wackelige Kontakte oder Überbelastung hindeuten – sollte geklärt werden, ist aber selten akute Gefahr, wenn nicht gleichzeitig andere Warnzeichen auftreten.
- Defekte Steckdosenleisten oder Verlängerungskabel: Wenn die Kontakte nicht halten oder beschädigt sind – stilllegen und austauschen.
Was bis morgen oder nächste Woche warten kann
Diese Probleme sind lästig, bedeuten aber keine unmittelbare Sicherheitsgefahr:
- Einzelne defekte Leuchten oder LED-Birnen: Sind schnell gewechselt, kein Elektro-Notfall.
- Fehlende oder gerissene Schutzblenden an Schaltern: Sollten ersetzt werden, sind aber nicht sofort kritisch.
- Ungenutzter Drehstrom/Starkstrom-Anschluss im Keller: Wenn Sie diesen nicht brauchen und nichts daran angeschlossen ist, hat es Zeit.
- Alte Elektroinstallation mit Schuko-Steckern: Ist ein Modernisierungsthema für geplante Arbeiten, kein Notfall (es sei denn, es zeigen sich Mängel wie Hitze oder Funken).
- Fehlende oder beschädigte Abdeckungen im Verteiler: Sollten vorhanden und intakt sein, ist aber eine geplante Wartungsaufgabe.
Orientierungshilfe: Die wichtigsten Fragen
Bevor Sie anrufen, stellen Sie sich diese Fragen:
- Gibt es Wärmeentwicklung, Geruch oder Rauch? → Notfall
- Besteht unmittelbare Gefahr für Personen oder Sachen? → Notfall
- Haben Sie unsicheren Strom oder Wasser in Kontakt? → Notfall
- Funktioniert eine Funktion einfach nicht mehr? → Dringlich oder wartbar, je nach Kritikalität
- Ist die Installation beschädigt, aber ohne aktive Warnzeichen? → Geplante Reparatur
- Wollen Sie die Anlage modernisieren oder erweitern? → Regulärer Termin
Sicherheitsmassnahmen in Eigenhilfe (im ungefährlichen Rahmen)
Bis der Profi kommt, können Sie folgende sichere Massnahmen ergreifen:
- Bereich sichern: Gefährliche Bereiche für andere (besonders Kinder und Haustiere) unzugänglich machen.
- Defekte Geräte ausstecken: Wenn ein Gerät verdächtig ist, einfach den Stecker rausziehen.
- Sicherung einmal zurückschalten: Falls alles stromlos ist, den Hauptschalter oder den relevanten Leitungsschutzschalter einmal ausschalten und wieder einschalten (nur einmal!). Wenn er sofort wieder auslöst, nicht erneut versuchen.
- Keine Eigenreparaturen am Verteiler oder Zählerschrank: Diese sind Eigentum des Stromversorgers und erfordern Fachkompetenz. Unter der Tür schauen ist ok, hinein greifen nicht.
- Stromlosigkeit prüfen: Ein Spannungsprüfer (Phasenprüfer) zeigt, ob eine Leitung wirklich stromlos ist – sicher, wenn Sie damit umgehen können.
Elektriker-Notfall: Wir organisieren Hilfe rund um die Uhr
Wenn Sie unsicher sind oder die Störung kritisch aussieht, ist Ihr Anruf richtig. Die Elektrofachkraft am Telefon wird Sie kurz einordnen und weiterleiten, wenn nötig – ohne Zeitverschwendung. Notfall-Hotline: 01579 2829777 (24/7, auch Wochenende und Feiertage).
Wir arbeiten mit geprüften Partnerbetrieben zusammen und vermitteln den passenden Fachbetrieb in Ihrer Nähe. Kein Umweg, kein Verwaltungsaufwand – nur schnelle, kompetente Hilfe.
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Häufige Fragen
01Ist ein Stromausfall im ganzen Haus immer ein Notfall?+
Nicht unbedingt. Wenn nur die Hauptsicherung raus ist und die Sicherung sofort wieder reingeht, kann das eine Übelastung sein – Sie können dann zu Stoßzeiten einzelne Großgeräte abschalten. Bleibt die Sicherung aber raus oder löst sie ständig aus, ist Fachkompetenz nötig. Bei kompletter Dunkelheit am Abend sollten Sie schnell klären lassen, ob es ein einfaches Problem ist.
02Was ist Fehlerstrom und warum löst der FI-Schutzschalter aus?+
Der FI-Schutzschalter (Residualstrom-Schutzschalter) schützt vor Stromschlag. Er erkennt, wenn Strom an unerwarteter Stelle abfließt – z.B. weil eine feuchte Stelle einen Kurzschluss verursacht oder jemand einen Stromschlag bekommen könnte. Wenn dieser Schalter ständig auslöst, gibt es ein Problem in der Installation, das geklärt werden muss – nicht einfach wieder einschalten und ignorieren.
03Kann ich eine defekte Steckdose einfach selbst austauschen?+
Das hängt von Ihrer Sicherheit und dem Regelwerk ab. Eine intakte Steckdose zu wechseln ist nicht die hochkomplexeste Aufgabe – aber nur, wenn Sie die Sicherheit kennen und die Leitung wirklich stromlos ist. Im Zweifelsfall: Fachkraft rufen. Das spart Zeitaufwand und Risiko. Bei modernen Installationen ist das oft schneller und billiger, als eine Stunde selbst herumzuprobieren.
04Wann sollte ich eine ganze Elektroinstallation überprüfen lassen?+
Spätestens, wenn Ihr Haus älter als 25–30 Jahre ist und noch alte Sicherungen (Sicherungsschmelztechnik statt Leitungsschutzschalter) oder unzureichend Steckdosen hat. Auch wenn einzelne Sicherungen ständig rausfliegen, defekte Schalter gehäuft auftreten oder Sie modernisieren wollen – ein regelmäßiger Check ist sinnvoll. Das ist kein Notfall, aber eine wichtige Sicherheitsaufgabe.
05Was ist der Unterschied zwischen Leitungsschutzschalter und Sicherungen?+
Ein Leitungsschutzschalter (LS-Automat) ist die moderne Variante: Er erkennt Kurzschlüsse und Überbelastung automatisch und schaltet die Leitung ab – per Kipphebel. Man kann ihn einfach wieder umlegen. Alte Sicherungen sind Schmelzsicherungen: Wenn es einen Kurzschluss gibt, schmilzt die Sicherung durch und muss getauscht werden. LS-Schalter sind sicherer, wartungsfreundlicher und Standard heute.