Stromkreise richtig planen: Leitfaden für Ihre Renovierung
Ratgeber · aktualisiert 2026-07-31

Eine Renovierung ist die ideale Gelegenheit, die Elektroinstallation zukunftssicher zu gestalten. Viele Haushalte arbeiten noch mit veralteten Stromkreisen, die für moderne Geräte nicht ausgelegt sind. Was früher ausreichte, führt heute schnell zu Überlastungen und ausgelösten Sicherungen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Stromkreise intelligent planen und damit Sicherheit sowie Komfort erhöhen.
Warum die Planung von Stromkreisen so wichtig ist
Ein Stromkreis ist eine in sich geschlossene Leitung, die von einem Leitungsschutzschalter (LS-Automat) im Sicherungskasten geschützt wird. Jeder Kreis hat eine definierte maximale Belastung – typischerweise 10, 16 oder 20 Ampere für Wohnräume. Übersteigt die angeschlossene Last diese Grenze, schaltet der Automat ab.
Das Problem: In älteren Häusern teilen sich oft zu viele Geräte einen Stromkreis. Ein moderner Haushalt mit Smartphone-Ladegeräten, LED-Panels, Kühlschrank, Elektroherd und Waschmaschine braucht deutlich mehr Kapazität. Eine gute Planung vermeidet ständige Stromausfälle und Brandgefahren durch Überlastung.
Wie viele Stromkreise braucht man insgesamt?
Es gibt keine universelle Antwort – die Anzahl hängt von der Wohnfläche, Nutzung und Ausstattung ab. Als grobe Orientierung:
- Kleine Wohnung (bis 60 m²): mindestens 8–10 Stromkreise
- Einfamilienhaus (100–150 m²): 12–16 Stromkreise
- Großes Einfamilienhaus (ab 200 m²): 18–25 Stromkreise oder mehr
Hinzu kommen spezialisierte Kreise für Küche, Bad, Wallbox und Heizung. Diese Zahlen sind Richtwerte – ein Elektrofachmann stimmt die Planung auf Ihren konkreten Bedarf ab.
Separate Stromkreise für kritische Bereiche
Bestimmte Räume und Geräte benötigen eigene, dedizierte Stromkreise:
Küche
Die Küche ist der stromintensivste Wohnraum. Hier laufen Elektroherd, Geschirrspüler, Kühlschrank, Mikrowelle und weitere Geräte oft gleichzeitig. Moderne Normen schreiben vor:
- Elektroherd: eigener 32-A-Drehstrom-Kreis (3 Phasen)
- Geschirrspüler: eigener 16-A-Kreis
- Kühlschrank: eigener 10-A-Kreis (sollte nicht mit anderen geteilt werden)
- Weitere Steckdosen: mindestens 2 separate 16-A-Kreise für Arbeitsplatte und Kochinsel
Insgesamt sollten Sie für eine moderne Küche 4–5 separate Stromkreise einplanen.
Badezimmer
Im Bad gelten strenge Sicherheitsregeln wegen der Feuchtigkeit:
- Beleuchtung und Belüftung: eigener Kreis (10 A, FI-Schutzschalter erforderlich)
- Steckdosen neben dem Waschbecken: eigener 16-A-Kreis mit Fehlerstromschutzschalter (FI)
- Elektrischer Durchlauferhitzer: eigener Drehstrom-Kreis (16–20 A)
- Fußbodenheizung: eigener Kreis mit spezieller Steuerung
Der FI-Schutzschalter unterbricht sofort bei gefährlichen Fehlerströmen – ohne ihn ist das Badezimmer nicht sicher.
Waschmaschine und Trockner
Diese Großgeräte haben hohe Leistungsaufnahmen:
- Waschmaschine: eigener 16-A-Kreis
- Wäschetrockner: eigener 16-A-Kreis (oder 32-A-Drehstrom, falls vorhanden)
Wallbox für Elektroautos
Eine Wallbox zum Laden von Elektrofahrzeugen braucht eine spezialisierte Installation:
- 11-kW-Wallbox: separater 16-A-Drehstrom-Kreis
- 22-kW-Wallbox: separater 32-A-Drehstrom-Kreis
- Zusätzlich notwendig: FI-Schutzschalter Typ B und Überspannungsschutz
Die Wallbox muss mit dem Elektroversorger angemeldet werden und erfordert einen geprüften Fachbetrieb zur Installation.
Wohnzimmer, Schlafzimmer und Flure
Für Wohnräume gelten weniger strikte Anforderungen, aber auch hier sollten Sie intelligent planen:
- Wohnzimmer: mindestens 2 Stromkreise à 16 A (einer für Beleuchtung, einer für Steckdosen)
- Schlafzimmer: mindestens 2 Stromkreise (Beleuchtung + Steckdosen)
- Flur/Diele: 1 Stromkreis à 10 A
- Außenbereich/Terrasse: separater Kreis mit FI-Schutzschalter und wettersicheren Steckdosen
Die Faustregel: Pro 50 m² Wohnfläche sollten mindestens 2–3 Stromkreise für allgemeine Steckdosen und Beleuchtung vorgesehen sein.
Zukunftssicherheit: Was Sie heute schon berücksichtigen sollten
Strom-Bedarf wächst. Wer heute renoviert, sollte an morgen denken:
- Wallbox-Vorbereitung: Auch ohne Elektroauto jetzt schon eine Leerleitung zum Parkplatz legen – später ist es teuer
- Wärmepumpe: Falls Sie die Heizung auf Wärmepumpe umstellen möchten, brauchen Sie einen starken Drehstrom-Anschluss (32–63 A)
- Solaranlage: Ein separater Kreis mit Gleichstrom-Trennung und Überspannungsschutz ist notwendig
- Smarthome-Verkabelung: Leerrohr für Datenleitungen mitplanen (Kategorie-6-Kabel, Lichtwellenleiter)
- Reserve-Kapazität: Im Sicherungskasten Platz für 20 % zusätzliche Kreise einplanen
Diese Investitionen amortisieren sich, wenn Sie nicht in wenigen Jahren wieder renovieren möchten.
Checkliste: Was muss ein Elektrofachmann überprüfen?
- Gesamtleistung des Hausanschlusses (meist 3×63 A bei modernen Häusern)
- Hauptschalter und Fehlerschutzschalter funktionsfähig?
- Alle Steckdosen und Schalter nach aktueller VDE-Norm?
- Leitungsquerschnitte für die geplanten Lasten ausreichend?
- Erdung und Potentialausgleich in Ordnung?
- Überspannungsschutz bei sensiblen Geräten (TV, PC, Netzwerk)?
Renovierung: Wer plant die Stromkreise?
Für die professionelle Planung arbeiten Architekten und Elektrofachleute zusammen. Der Elektrofachbetrieb erstellt einen Schaltplan nach den geltenden Normen (DIN VDE 0100). Wichtig: Alle Arbeiten an Stromkreisen dürfen nur von geprüften Fachkräften durchgeführt werden – auch bei Renovierungen.
Wenn Sie unsicher sind oder während der Arbeiten Probleme auftreten, erreichen Sie uns rund um die Uhr unter 01579 2829777. Unsere geprüften Partnerbetriebe helfen bei Fehlern oder Stromausfällen sofort weiter.
Häufige Fehler beim Stromkreise-Planen
- Zu wenig Kreise: Spart anfangs Kosten, führt aber zu Ausfällen und Sicherheitsrisiken
- Falsche LS-Automat-Größe: Ein 16-A-Automat für eine 32-A-Last ist brandgefährlich
- FI-Schutzschalter vergessen: Vor allem im Bad und im Außenbereich nicht optional
- Keine Dokumentation: Nach der Renovierung sollte ein aktualisierter Schaltplan vorhanden sein
- Zu knappe Dimensionierung: Zukünftige Geräte werden leistungsfähiger – Reserve ist sinnvoll
Eine durchdachte Elektroplanung ist die Basis für Sicherheit, Komfort und Wertstabilität Ihrer Immobilie. Nehmen Sie sich Zeit für die Planung – es lohnt sich.
Akuter Strom-Notfall? Wir helfen.
24/7 erreichbar · geprüfte Elektro-Partner vor Ort in NRW & Berlin.
Häufige Fragen
01Kann ich während einer Renovierung einzelne Stromkreise selbst verlegen?+
Nein. Das Planen und Verlegen von Stromkreisen ist in Deutschland Sache eines Elektrofachmanns. Laien-Arbeiten an der Elektroinstallation sind nicht zulässig und gefährlich. Die Elektrofachkraft vor Ort kümmert sich um alle Arbeiten – von der Planung über Verdrahtung bis zur Prüfung.
02Wie unterscheiden sich 10-A-, 16-A- und 20-A-Leitungsschutzschalter?+
Der Nennstrom des LS-Automaten bestimmt die maximale Leistung, die der Stromkreis verträgt. 10 A genügen für reine Beleuchtung und leichte Verbraucher. 16 A ist der Standard für normale Steckdosen in Wohnräumen. 20 A kommt seltener vor und nur bei speziellen Lasten. Der Querschnitt der Leitung muss zum Automat passen – ein zu großer Automat auf zu dünner Leitung ist brandgefährlich.
03Braucht jedes Badezimmer einen FI-Schutzschalter?+
Ja, absolut. Im Bad und überall dort, wo Feuchte herrscht, ist ein Fehlerstromschutzschalter (FI/RCD) Pflicht. Er unterbricht den Stromkreis sofort (innerhalb von Millisekunden), wenn ein gefährlicher Fehlerstrom erkannt wird – etwa durch Kontakt mit Wasser. Das rettet Leben. Es gibt verschiedene FI-Typen (A, B, B+) – welcher passt, kllärt der Elektrofachmann.
04Was kostet die Planung von neuen Stromkreisen bei einer Renovierung?+
Die Kosten hängen vom Umfang, der Gebäudegröße und den lokalen Fachbetrieben ab. Wir nennen keine Pauschalpreise – jede Renovierung ist unterschiedlich. Kontaktieren Sie einen Elektrofachbetrieb vor Ort für ein Angebot. Wir vermitteln gerne geprüfte Partner, die Sie beraten.
05Muss ich eine Wallbox anmelden oder genehmigen lassen?+
Ja. Wallboxen müssen beim zuständigen Netzbetreiber angemeldet werden (11-kW-Modelle) oder sogar genehmigt (ab 22 kW). Der Elektrofachbetrieb übernimmt die Anmeldung üblicherweise im Rahmen der Installation. Ohne Anmeldung drohen Bußgelder und Versicherungsprobleme.
06Wie plane ich Stromkreise zukunftssicher?+
Überdenken Sie Ihren langfristigen Bedarf: Könnte eine Wärmepumpe oder Solaranlage interessant sein? Ein Elektroauto? Smarthome? Legen Sie heute schon Leerrohre und Reserve-Kapazität im Sicherungskasten an. Das spart spätere Renovierungskosten. Ein erfahrener Elektrofachmann berät Sie, welche Vorbereitung heute sinnvoll ist.