Kein Strom trotz eingeschalteter Sicherung – was tun?
Ratgeber · aktualisiert 2026-07-31

Stromausfall trotz eingeklickter Sicherung – ein klassisches Problem, das Unsicherheit auslöst. Aber keine Panik: Mit einer methodischen Herangehensweise lässt sich die Ursache eingrenzen, ohne dass Sie in Gefahr geraten. Dieser Ratgeber führt Sie durch die häufigsten Szenarien und zeigt, wann Profis gefragt sind.
Schritt 1: Gesamtes Haus oder nur einzelne Räume betroffen?
Zuerst klären Sie den Umfang: Ist der ganze Haushalt stromlos oder nur einzelne Steckdosen/Räume?
- Lichter in mehreren Räumen aus → Hauptleitung oder zentraler Automat betroffen
- Nur Küche, Bad oder ein Zimmer dunkel → Einzelner Stromkreis ausgelöst
- Alle Geräte tot, auch Heizung und Warmwasser → Hauptsicherung oder Netzbetreiber
Dieser erste Check spart Ihnen später viel Zeit beim Eingrenzen.
Schritt 2: FI-Schutzschalter prüfen
Der FI-Schutzschalter (auch RCD oder Fehlerstromschutzschalter genannt) ist das sensible Element Ihrer Elektroanlage. Er sitzt oben im Verteiler und springt ab, wenn eine gefährliche Stromableitering erkannt wird – zum Beispiel durch einen defekten Kühlschrank oder feuchte Hände am Lichtschalter.
So prüfen Sie den FI:
- Öffnen Sie den Zaehlerschrank und suchen Sie nach dem breiten Schalter oben (meist 2-polig)
- Ist die Hebel-Position nach unten geklappt? → FI hat ausgelöst
- Drücken Sie den Testknopf (T-Button): Der FI muss sofort abfallen
- Klicken Sie den FI wieder nach oben, um ihn einzuschalten
Springt der FI sofort wieder ab, deutet das auf einen Fehlerstrom im Stromnetz hin – möglicherweise ein defektes Gerät oder eine beschädigte Leitung. Die Elektrofachkraft vor Ort kann dann mit speziellen Messgeräten die Fehlerquelle lokalisieren.
Schritt 3: Einzelne Leitungsschutzschalter kontrollieren
Falls nur einzelne Räume dunkel sind, ist ein Leitungsschutzschalter (LS-Automat) ausgelöst. Diese Schalter schützen einzelne Stromkreise vor Überlast und Kurzschluss.
Erkennungszeichen:
- Der Hebel des betroffenen Automaten steht mittig oder ist nach unten geklappt
- Die anderen Schalter sind normal nach oben gestellt
- Schalten Sie den Automat aus (Hebel komplett nach unten), dann wieder ein
Wenn der Schalter sofort wieder abfällt, liegt ein Kurzschluss oder eine Überlast im betroffenen Stromkreis vor. Häufige Gründe:
- Zu viele starke Geräte gleichzeitig (Backofen + Durchlauferhitzer + Waschmaschine)
- Defektes Elektrogerät mit Isolationsfehler
- Beschädigte Leitung oder lockere Klemmstelle
Schalten Sie die Geräte in diesem Kreis aus, bevor Sie den Automat erneut versuchen einzuschalten.
Schritt 4: Defekte Geräte ausschließen
Ein häufiger Grund für ausgelöste Sicherungen: ein fehlerhaftes Elektrogerät.
So grenzen Sie es ein:
- Stecken Sie alle Geräte des betroffenen Stromkreises aus (Kaffeemaschine, Mikrowelle, Lampen, USB-Ladegeräte)
- Schalten Sie den Automat/FI wieder ein
- Pluggen Sie die Geräte nacheinander wieder an
- Wenn die Sicherung wieder abfällt, haben Sie das fehlerhafte Gerät identifiziert
Das schuldige Gerät sollte nicht mehr benutzt werden – es könnte Brandquelle sein. Lassen Sie es von einem Fachmann prüfen oder entsorgen Sie es sicher.
Schritt 5: Klemmstellen und sichtbare Schäden prüfen
Manchmal sitzt das Problem nicht im großen Ganzen, sondern an einer winzigen Stelle: einer lockeren Klemmstelle oder verschmorter Verdrahtung.
Hinweise auf Probleme:
- Steckdosen oder Schalter sind heiß oder verfärbt
- Brandgeruch im Zaehlerschrank oder an einer Steckdose
- Sichtbarer Schmelzfilm auf Kunststoff-Komponenten
- Flecken oder Verfärbungen an Leitungen
Wichtig: Öffnen Sie NICHT den Zaehlerschrank selbst, um an Klemmen zu arbeiten – das ist hochgefährlich und bleibt Sache des Profis. Aber Sie können von außen schauen und diese Beobachtungen dem Fachmann berichten.
Schritt 6: Netzprobleme vom Netzbetreiber prüfen
In seltenen Fällen liegt das Problem nicht bei Ihnen, sondern in der öffentlichen Stromversorgung:
- Die ganze Straße oder das ganze Haus ist stromlos, nicht nur ein Stromkreis
- Der Hauptzähler zeigt keine Aktivität mehr
- Der Fehler tritt regelmäßig zu bestimmten Zeiten auf
In diesem Fall muss der Netzbetreiber prüfen, ob die Hauptleitung zum Haus fehlerfrei ist. Das ist kostenlos, wenn der Fehler auf dessen Seite liegt. Notieren Sie die genaue Zeit des Ausfalls und rufen Sie die Störungshotline Ihres Versorgers an.
Wann ist professionelle Hilfe notwendig?
Sie sollten nicht selbst weiter experimentieren, wenn:
- Der FI ständig auslöst, selbst wenn alle Geräte aus sind
- Ein Automat nach dem Einschalten sofort wieder abfällt, obwohl nur eine Lampe angeschlossen ist
- Sie Brandgeruch, Rauch oder Funken im Zaehlerschrank bemerken
- Eine Steckdose oder ein Schalter heiß ist oder verfärbt wirkt
- Das Stromnetz wirkt grundsätzlich instabil (häufige, unerklärliche Ausfälle)
- Sie sich nicht sicher sind, welcher Automat zu welchem Stromkreis gehört
In diesen Fällen ist die Elektrofachkraft gefragt. Sie verfügt über Messpinzetten, Prüfinstrumente und die rechtliche Berechtigung, tiefere Diagnosen zu stellen.
Tipps zur Vorbeugung
Ein paar einfache Maßnahmen helfen, dass es gar nicht erst zu Stromausfällen kommt:
- Nicht überlasten: Nutzen Sie in einem Stromkreis nicht gleichzeitig mehrere Hochlast-Geräte (Heizung, Ofen, Durchlauferhitzer)
- Regelmäßig überprüfen: Alle zwei Jahre sollte der FI-Testknopf betätigt werden – er muss sofort abfallen
- Feuchträume beachten: Steckdosen in Bad und Küche sind mit FI-Schutz ausgestattet – benutzen Sie sie sorgfältig
- Alte Geräte kontrollieren: Elektrogeräte älter als 10 Jahre sollten gelegentlich überprüft werden
- Mehrfachstecker sparsam nutzen: Sie sind praktisch, aber gefährlich überlastet
Jetzt handeln: Hotline für schnelle Hilfe
Wenn die Schritte oben nicht zur Lösung führen oder Sie unsicher sind: Die Elektrofachkraft vor Ort hilft schnell und zuverlässig weiter. Geprüfte Partnerbetriebe sind rund um die Uhr erreichbar und können das Problem professionell eingrenzen und beheben.
Rufen Sie die Notruf-Hotline an: 01579 2829777 (24/7)
Schildern Sie kurz, welche Schritte Sie schon versucht haben – das hilft dem Profi, schneller die richtige Diagnose zu stellen.
Akuter Strom-Notfall? Wir helfen.
24/7 erreichbar · geprüfte Elektro-Partner vor Ort in NRW & Berlin.
Häufige Fragen
01Ist es gefährlich, den FI-Schalter selbst einzuschalten?+
Nein, es ist völlig sicher, den FI-Hebel nach oben zu klicken – das ist Ihr Schalter. Gefährlich wird es nur, wenn Sie im Zaehlerschrank selbst an Leitungen, Klemmen oder Verdrahtung herumarbeiten. Das bleibt Sache des Fachmanns.
02Warum springt der FI sofort wieder ab, obwohl ich kein Gerät benutze?+
Das deutet auf einen sogenannten Kriechstrom oder Fehlerstrom hin – wahrscheinlich verursacht durch ein defektes Gerät, eine nasse Stelle oder eine beschädigte Leitung. Der FI erkennt diese unsichtbare Stromableitung und reagiert schützend. Ein Profi mit Messinstrumenten kann die Fehlerquelle lokalisieren.
03Kann eine lockere Klemmstelle selbst wieder festgehen?+
Nein, lockere Klemmstellen werden nicht von allein wieder fest – im Gegenteil: Sie werden durch Wärme und Vibration immer lockerer und können zu Brandfällen führen. Lassen Sie lockere Stellen sofort von einer Elektrofachkraft überprüfen und nachfestigen.
04Kostet es etwas, wenn der Netzbetreiber der Grund ist?+
Der Netzbetreiber behebt Fehler in der öffentlichen Stromversorgung kostenlos. Sie zahlen nur, wenn der Fehler in Ihrer privaten Anlage liegt. Rufen Sie die Störungshotline des Versorgers an und beschreiben Sie das Problem – der Dispatcher kann schon am Telefon unterscheiden.
05Wie oft sollte ich den FI-Testknopf drücken?+
Mindestens einmal im Jahr, besser alle sechs Monate. Der FI-Testknopf (T-Button) sollte den Schalter sofort nach unten klappen lassen. Wenn nichts passiert, ist der FI defekt und muss ersetzt werden – rufen Sie die Elektrofachkraft an.